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2026

Gemeindebericht 2026

Gemeindebericht 2026 der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld

Zusammenkommen. Weitergehen.

„Kommt, lasst uns hinaufziehen, zum Berg des HERRN […], dass er uns aufgrund seiner Wege belehrt und wir auf seinen Pfaden gehen. (Micha 4,2)

1. Wo stehen wir?

1.1 Unser Ausgangspunkt

In unserer Gemeinde beschreibt unsere Gemeindekonzeption (https://www.evkm.org/gemeindekonzeption/) unseren Ausgangspunkt sehr deutlich: ökumenische, prophetische und diakonische Gemeinde zu sein. Vieles hat sich bewährt und ist bewahrenswert. Gleichzeitig versuchen wir, neue Wege kirchlicher Präsenz zu gehen.

Die Übergangsphase im Pfarramt mit dem Eintritt des langjährigen Pfarrers in den Ruhestand im Juli 2024 ist mit der Neubesetzung der Pfarrstelle zum 1. Februar 2026 formal abgeschlossen. Zugleich merken wir, dass wir uns weiter in der natürlichen Übergangsphase befinden, die ein solcher Wechsel in einer Gemeinde mit sich bringt. Wir sind hier gemeinsam auf einem guten Weg.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen verändern nicht nur Strukturen und Lebensbedingungen, sondern auch die Stimmung, in der Menschen leben. Unsicherheit, Zukunftssorgen und Ängste nehmen Raum ein. Vertrautes ist nicht mehr selbstverständlich. Das wirkt sich auch darauf aus, was Menschen von ihrer Kirche/Gemeinde erwarten und brauchen. Kirche/Gemeinde kann diese Entwicklungen nicht lösen. Aber sie kann ein Ort sein, an dem Menschen mit ihren Sorgen und Fragen nicht allein bleiben.

Unser Erprobungsraum „Neue Wege kirchlicher Präsenz“: Mit Bauwagen und Spielmobil werden neue Formen der Begegnung und gemeindeübergreifender Zusammenarbeit erprobt, wie wir als Gemeinde auch außerhalb der vertrauten Strukturen und Orte präsent sein können.

Unsere „Orte der Bestätigung“ wie Gemeindegottesdienste, die vielfältigen gemeindlichen und nichtgemeindlichen Gruppen und Kreise, Ausschüsse, Dienstgemeinschaft und Gemeindeleitung sind stabile und verlässliche Zeichen für unsere Gemeinde als „Haus mit offenen Türen“.

In dieser großen Kontinuität, in der von vielen wesentliche Impulse für unsere inhaltliche Profilierung ausgehen, erleben wir gleichzeitig eine Spannung, die für unsere Gemeinde zunehmend bestimmend wird: Wir werden sukzessive kleiner, aber wir sind nicht weniger lebendig.

1.2 Gelingendes

Eine unserer größten Stärken ist, dass viele Menschen sich weiterhin beteiligen. Gemeinde wird bei uns nicht nur von haupt- und nebenamtlich Verantwortlichen oder dem Presbyterium gestaltet. Viele Menschen übernehmen Verantwortung, gestalten Gottesdienste, arbeiten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, tragen Gruppen und Kreise und bringen ihre Fähigkeiten ein.

Unsere Gottesdienstkultur ist vielfältig. Die Gottesdienste werden von sechs predigenden Menschen sowie von unterschiedlichen Gruppen mit Von-uns-für-euch Gottesdiensten gestaltet; dazu gibt es Familiengottesdienste als neue Form. Die Zahl der Gottesdienstbesucher*innen ist stabil. Die hohe Beteiligung an den Adventsandachten und Frühschichten zeigt beispielsweise, dass Menschen Räume suchen, in denen Glaube, Gemeinschaft und persönliche Besinnung ihren Platz haben.

Dass unser Spiritual Chor im vergangenen Jahr und unser Blockflötenensemble „viva la musica“ in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert haben bzw. feiern, steht für gelebte Kontinuität und für die Freude am gemeinsamen Musizieren. Mensch kommen zusammen, bringen ihre musikalischen Fähigkeiten ein und gestalten Gemeinschaft. Für uns ist Musik dabei mehr als ein schönes Element im Gemeindeleben: Musik ist auch Verkündigung – sie kann Glauben ausdrücken und Menschen auf eine andere Weise erreichen als Worte.

Auch in der Arbeit mit Jugendlichen erleben wir diese Bereitschaft zur Beteiligung. Die Konfirmand*innenarbeit macht Freude, und viele Jugendliche bleiben auch nach der Konfirmation interessiert und bringen sich als Mitarbeitende in der Konfirmand*innenarbeit und an anderen Stellen ein.

Zu unseren Stärken gehört außerdem, dass unsere Gemeinde nicht bei sich selbst stehen bleibt. Ökumene ist für uns selbstverständlich. Die Zusammenarbeit mit katholischen Kolleg*innen, Kindertagesstätten, Schulen, den Caritas-Werkstätten und anderen Einrichtungen schafft Verbindungen über die eigene Gemeinde hinaus. Auch im Bereich der Trauerbegleitung arbeiten wir punktuell ökumenisch zusammen.

Dabei verändert sich die Form ökumenischer Zusammenarbeit. Wo personelle Ressourcen geringer werden, wird es erwartbar zunehmend darum gehen, uns bei bleibender gemeinsamer Verantwortung gegenseitig zu vertreten, statt Aufgaben immer mit zwei Hauptamtlichen aus zwei Kirchen zu besetzen.

Ökumene bedeutet auch das Bekenntnis zur Philippinenpartnerschaft unseres Kirchenkreis. Dieses Jahr stand wieder ein Besuch auf den Philippinen an. An dieser Reise konnte unser Pfarrer i.R. Ingo Schrooten als Teil des Dreierteams teilnehmen. Mit vielen Eindrücken und Bildern hat er uns im Anschluss einen Einblick in das Leben und den Glauben unserer philippinischen Geschwister gegeben und Impulse gesetzt. Deutlich wurde: Wir sind weiter auch als Kirche/Gemeinde in einer privilegierten Situation. Das diesjährige Jahresprogramm der United Church of Christ in the Philippines (UCCP) „Walking with Jesus – journeying with the Anawim“ (mit Anawim sind in den Philippinen gemeint: Indigene, Frauen, Bauern, Queere und Fischer) kann und soll uns nicht nur Vorbild sein, sondern passt auch zu unserem Verständnis, dass Gott sich an der Seite der Kleinen und Ausgegrenzten positioniert hat.

Zu unserem Profil gehört auch die gesellschaftliche Verantwortung. Das Gedenken an die Reichspogromnacht gemeinsam mit dem Förderverein Synagoge und den katholischen Geschwistern und unter Beteiligung unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden ist für uns unverzichtbar. Ebenso unverzichtbar sind die monatlichen Mahnwachen für Menschlichkeit und Toleranz im Rahmen des „Bündnis für Vielfalt“ auf dem Marktplatz in Polch. Zum ersten Mal in diesem Jahr haben sich auch einige aus unserer Gemeinde aufgemacht und sich am CSD Koblenz beteiligt. Sie zeigen, dass unser Glaube nicht von der Welt getrennt ist, sondern Konsequenzen für unser Handeln hat.

Unser Gemeindezentrum ist ein offener Ort. Es ist nicht nur Raum für die eigenen Gruppen und Veranstaltungen, sondern wird von unterschiedlichen Menschen und Initiativen genutzt. Flüchtlingshilfe, Repair Café, Angebote der Frühen Hilfen, Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen, Kultur und Musik finden hier ihren Platz.

In „unserer“ Fachstelle Frühe Hilfen, in Mitträgerschaft mit dem Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr und gefördert vom Kreis Mayen-Koblenz, leisten die Mitarbeitenden weiterhin unverzichtbare und wertvolle Arbeit für Familien mit Kindern von 0 bis 3 Jahren auf dem Maifeld und im Bereich des Caritasverbandes.

1.3 Herausforderungen

Unsere Gemeinde, seit jeher Diasporagemeinde, wird allmählich kleiner. Das zeigt sich an verschiedenen Stellen und betrifft auch Formen, die lange selbstverständlich waren. So erreicht zum Beispiel aktuell der Kindergottesdienst weniger Kinder als früher. Bei Taufen und Beerdigungen sind die Zahlen zurückgegangen, Trauungen bewegen sich weiterhin auf niedrigem Niveau. Diese Entwicklungen sind Teil einer gesellschaftlichen Veränderung, die auch an unserer Gemeinde nicht vorbeigeht.

Gleichzeitig sind die zeitlichen Möglichkeiten vieler Menschen begrenzter geworden. Beruf und Familie haben zu Recht einen hohen Stellenwert. Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen bringen zusätzlich Unsicherheit, Zukunftssorgen und Ängste mit sich. Das kann Menschen belasten und die Möglichkeiten für weiteres Engagement verändern.

Daraus ergibt sich die Aufgabe, genau hinzusehen: Was brauchen Menschen, die sich beteiligen möchten, damit sie dies auch können? Und wie können wir Menschen ansprechen, um sie für ehrenamtliches Engagement zu interessieren? Wie müssen Aufgaben verteilt und organisiert werden, damit Verantwortung gut getragen werden kann?

Besonders deutlich wird das bei den Aufgaben, die für das Funktionieren einer Gemeinde notwendig sind, aber kaum sichtbar werden: Verwaltung, Arbeitsschutz, Gebäudebedarfsplanung, und die Sorge um unsere Gebäude und den Boden, auf dem sie stehen. Der längerfristige Ausfall unseres für die Gebäude verantwortlichen Mitarbeiters und die weiterhin nicht besetzte Küsterstelle zeigen, dass wir für bestimmte Aufgaben verlässliche Strukturen brauchen. Die Notfallabschaltung unserer Heizung im Frühjahr und immer wieder auftauchende Probleme bei Wasserleitungen haben zudem deutlich gemacht, dass unsere Gebäude aufgrund des Alterungsprozesses derzeit erhöhte Aufmerksamkeit benötigen.

Unsere Möglichkeiten, Neues auszuprobieren, sind davon abhängig. Neue Ideen brauchen nicht nur gute Einfälle, sondern Menschen mit Zeit und Kraft, die sie entwickeln, vorbereiten und umsetzen. Unser Raum dafür ist aktuell begrenzt. Das ist kein Grund zur Klage, sondern eine realistische Feststellung: Veränderung braucht Ressourcen.

2. Wo wollen wir hin?

Wir wollen das, was unsere Gemeinde ausmacht, unter den sich verändernden Bedingungen weiterleben und so manchen unguten Veränderungen in der Welt aktiv widerstehen.

Dabei steht für uns unser Glaube im Mittelpunkt. Wir verstehen uns als Gemeinde in der jüdisch-christlichen Tradition. Aus ihr leben wir, aus ihr beziehen wir unsere Hoffnung und unseren Auftrag. Gottesdienste, Verkündigung, Seelsorge und die unterschiedlichen Formen, in denen Menschen miteinander über Glauben und Leben ins Gespräch kommen, gehören deshalb zum Kern unserer Gemeinde. Dieses Fundament ist für uns unverzichtbar.

Wenn wir danach fragen, was Menschen heute von Kirche/Gemeinde erwarten dürfen, geht es deshalb nicht zuerst um möglichst viele Veranstaltungen und Angebote. Menschen brauchen Räume für Spiritualität und Glauben. Sie brauchen Halt und Vertrauen, Gemeinschaft und Lebendigkeit, Sicherheit und Stabilität. Unsere Gemeinde soll ein Ort sein, an dem Menschen Verlässlichkeit erfahren, miteinander ins Gespräch kommen und aus ihrem Glauben heraus Hoffnung finden, wobei auch Fragen und Zweifel ihren Raum haben.

Wir wollen offen dafür bleiben, wie kirchliche Präsenz künftig aussehen kann und wo Menschen mit Kirche/Gemeinde in Kontakt kommen können.

Wir wollen deshalb eine Gemeinde bleiben, die offen ist für unterschiedlichste Menschen und unterschiedliche Formen der Beteiligung. Wir wollen unseren Glauben erkennbar leben, gesellschaftlich verantwortlich handeln und ökumenisch verbunden bleiben. Wir wollen dort präsent sein, wo Menschen leben, und zugleich ein verlässlicher Ort für die Menschen sein, die zu uns gehören.

3. Wie erreichen wir unsere Ziele?

Ein Schlüssel ist, die Erfahrungen aus dem Erprobungsraum „Neue Wege kirchlicher Präsenz“ für die weitere Entwicklung unserer Gemeinde zu nutzen und weiterzudenken. Die Frage wird sein, welche Erfahrungen und Formen auch nach dem Ende der Förderung tragfähig sind und was dafür an personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen benötigt wird. Eine entsprechende Konzeption ist in Arbeit.

Auch unsere jüdisch-christliche Tradition soll nicht nur ein Bestandteil unseres Selbstverständnisses bleiben, sondern unser konkretes Gemeindeleben prägen: in Gottesdiensten und Verkündigung, in Bildungs- und Gesprächsangeboten, in unserem Verhältnis zum Judentum und in unserem gesellschaftlichen Engagement. Das Gedenken an die Reichspogromnacht und die monatlichen Mahnwachen sind dafür wichtige Ausdrucksformen.

Ein wichtiger Schlüssel ist der Umgang mit dem Ehrenamt. Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Teil unseres Gemeindelebens und verdient Wertschätzung. Gemeinde lebt davon, dass Menschen sich beteiligen und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten nach ihren Möglichkeiten einbringen. Dafür brauchen wir gute Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und Verlässlichkeit. Es braucht aber auch Ehrlichkeit darüber, wenn jemand an Leistungsgrenzen stößt. Das gilt für alle, die Verantwortung in unserer Gemeinde übernehmen, auch für das Presbyterium.

Es geht darum im Blick zu behalten, was zu unserem Auftrag und Profil passt, was mit unseren Kräften machbar ist und gegebenenfalls für Entlastung zu sorgen. Dazu gehört die Bereitschaft, Dinge zu lassen oder sie anders zu organisieren. Der Kindergottesdienst ist dafür ein Beispiel. Wir versuchen zunächst, mit einer anderen Frequenz und aktiverer Werbung auf die veränderte Situation zu reagieren.

Es bleibt unsere Aufgabe, Menschen auf ehrenamtliches Engagement hin anzusprechen, damit weiter viele Menschen, mit ihrer Kreativität, ihrem Können und ihrem Wissen unser Gemeindeleben aktiv und vielfältig mitgestalten.

Unser Weg wird deshalb weiterhin ein Weg des Ausprobierens sein. Wir werden Bewährtes erhalten, Neues versuchen, manches verändern und möglicherweise auch etwas lassen müssen. Nicht jede Veränderung wird sofort die richtige Antwort sein.

Dabei können wir auf etwas bauen, das unsere Gemeinde seit Jahren auszeichnet: Menschen, die sich einbringen, eine klare Vorstellung davon, wofür wir als Gemeinde stehen, die Verwurzelung in unserer jüdisch-christlichen Tradition, ökumenische Verbundenheit und die Bereitschaft, Verantwortung für die Menschen und unsere Gesellschaft zu übernehmen.

Zusammenkommen. Weitergehen.

Das ist die Haltung für unseren weiteren Weg. Wir müssen heute noch nicht wissen, wie Gemeinde in einigen Jahren aussehen wird. Aber wir wollen gemeinsam danach suchen, wie unsere Gemeinde unter den Bedingungen unserer Zeit lebendig, offen, verlässlich und erkennbar bleiben kann.

Verfasst von Pfarrerin Susanne Albrecht – Beschlossen und dem Kreissynodalvorstand vorgelegt am 15.09.2026 in der Gemeindeversammlung vom 27.09.2026 Diskutiert.

Nächste Termine



Die heutige Losung

Ist denn die Hand des HERRN zu kurz?

4. Mose 11,23

Die Jünger sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Markus 4,41