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Gemeindebericht 2017

Wie viele Menschen brauchen wir?

Gemeindebericht der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld 2016/17


Wie viele Menschen brauchen wir? — Diese Frage mutet merkwürdig an. Wir haben ja die Menschen: 2500 Gemeindemitglieder mit einer weiterhin leicht steigenden Tendenz, stabile Zahlen in unseren Gemeindegruppen und in den Gottesdiensten, stabile Zahlen im neuen Arbeitsbereich „Cafe Grenzenlos“, einige herausragende Ereignisse mit hoher Teilnehmerzahl. Und doch wurden wir im Berichtsjahr von einigen Zahlen überrascht, die uns nachdenklich machen.

I. Lassen sich genügend Menschen ansprechen?

1.1 Konfirmandinnen- und Konfirmandenunterricht

Der Rückgang der Zahlen bei den Jugendlichen ist auch bei uns spürbar. Waren es vor nicht langer Zeit noch über 50 Jugendliche im Altersspektrum, wurden in diesem Jahr nur 30 Jugendliche angeschrieben. Und mit 18 Jugendlichen, die jetzt am Unterricht teilnehmen, ist auch unsere Erfassungsquote so niedrig wie noch nie (60 %). Und das trotz unseres Erachtens hoher Qualität der Arbeit und gutem Leumund auch unter Jugendlichen. Nach unseren Nachforschungen entscheidet sich eine immer größere Zahl der Jugendlichen bewusst gegen die Teilnahme, ohne sich auf einen Versuch einzulassen und ohne größeren Antrieb durch die Eltern. Dadurch ergibt sich ein Betreuungsschlüssel zwischen jugendlichen Mitarbeitenden und Konfirmandinnen und Konfirmanden von nahezu eins zu eins. Eine pädagogische Herausforderung und ein Glück, weil die inhaltliche und menschliche Intensität in der Arbeit sich als sehr hoch erweist.

1.2 Friedensfest vor dem Fliegerhorst in Büchel

Mit knapp über 30 Teilnehmern war die Beteiligung in diesem Jahr noch niedriger als in dem vergangenen. Die Gemeindebeteiligung blieb konstant, der Besuch durch andere Interessierte war niedriger als zuvor. In unserer Gemeinde zeigt sich, dass persönliche Beziehungen zu Beschäftigten in Büchel und die Angst vor Nachteilen viele von diesem konkreten Protest gegen Atomwaffen abgehalten haben. Das Friedensfest war mit musikalischem Beitrag, Essen, gemütlichen Beisammensein und Gottesdienst mit anschließender Prozession zu unserem Kreuz auf der Friedenswiese inhaltlich und atmosphärisch sehr gelungen.

1.3 KiBiZ

Weiterhin beteiligen sich nicht mehr als 10 Kinder an unserem zweiwöchigen Kindergottesdienst KiBiZ (Kinder-Bibelzeit) am Samstagvormittag. Trotz kreativer Werbung und schönen, lebendigen Gottesdiensten ist es uns nicht gelungen, diese Zahl zu erhöhen. Auch hier ist der Schlüssel zwischen den jugendlichen und erwachsenen Mitarbeitenden und den Kindern eins zu eins.

II. Wir werden gesehen und verstanden

2.1 Reformationsjubiläum

Nach dem Gottesdienst am Reformationstag 2016 mit dem Aufhängen des Banners zum Reformationsjahr „vergnügt, erlöst, befreit“ an der Außenwand unseres Gemeindezentrums gab es keine expliziten Veranstaltungen in unserer Gemeinde. Bemerkenswert ist eine Publikumsäußerung am Schluss der Veranstaltung mit Ernesto Cardenal (s.u.), hier wäre im Feierjahr endlich mal eine Veranstaltung erlebt worden, die auf eine zu verändernde Kirche und Gesellschaft hingewiesen hätte.

2.2 Schirmherr beim Spiel der Lottoelf in Mertloch

Ingo Schrooten wurde für das Spiel der Lottoelf am Freitag, den 12. Mai 2017 in Mertloch zu Gunsten der Flüchtlingsinitiative Maifeld angesprochen, Schirmherr zu sein. Das Engagement unserer Gemeinde in der Flüchtlingsarbeit wurde so gewürdigt und erneut wahrgenommen.

2.3 Ernesto Cardenal und Alberto Acosta

Zwei Konzertlesungen mit „grupo sal“ mit jeweils über 100 Teilnehmenden im März und im Oktober 2017 (erwartet) haben mehr als kulturelle Qualität. Der nicaraguanische Priester und Dichter Ernesto Cardenal, der in seinem ganzen Leben seinen Glauben mit gesellschaftlichem Engagement für eine andere, bessere Welt verbunden hat, las aus seinem Lebenswerk. Der Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta aus Ecuador stellt mit „Buen vivir – vom Recht auf ein gutes Leben“ sein an indigene Vorstellungen angelehntes Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept vor, das eine Welt jenseits der vorherrschenden Wachstumsideologie anstrebt.

III. Lebendigkeit und menschliche Wärme

3.1 Mitarbeitende bei der Synode

Die Ausrichtung der Synode im November 2016 in Münstermaifeld war für uns auch ein Gemeindeereignis. Durch die Vielzahl der Mitarbeitenden unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Bereichen und die reibungslose Organisation wurde die Synode auch für uns zu einem Ort der Begegnung und des lebendigen Miteinanders.

3.2 Trauerarbeit

Der plötzliche Tod von Ulla Maschke, Vorsitzende der Frauenhilfe, Prädikantinnen-Anwärterin und sehr aktives Gemeindemitglied, am 21. Juli 2017 hat uns betroffen gemacht.
Spontan kamen im Sonntagsgottesdienst zwei Tage nach ihrem Tod viele Menschen zusammen, um miteinander zu trauern. Ihre Beerdigung und das anschließende Beerdigungscafé im Gemeindezentrum hat viele Menschen auch von außerhalb unserer Gemeinde zusammengebracht. Wir konnten uns Trost geben und spüren, dass wir gehalten werden.
In der Frauenhilfe verursachte der plötzliche Tod der Vorsitzenden neben der Trauer auch Angst um die Zukunft der Frauenhilfe. Ulla Maschke hat durch ihre Arbeit viele Impulse gegeben und eine große Nähe unter den Frauen erreicht. Und das schien nun in Frage gestellt. In zwei Sitzungen des Vorstandes wurden Perspektiven für das Amt der Vorsitzenden und für das zukünftige Programm erarbeitet. Dies wurde in den Treffen der Frauenhilfe vorgestellt und beruhigte die Frauen.

3.3 Trauungen

Im Berichtszeitraum gab es zwei Trauungen, die aus dem Rahmen fielen. Die Gottesdienste fanden im Gemeindezentrum bzw. auf dem Sammetzkopf, der höchsten Erhebung des Maifeldes und bei uns gebräuchlicher Gottesdienstort am Ostermorgen, im Freien statt, und nicht in einer der schönen alten katholischen Kirchen auf dem Maifeld. Beide Paare sind schon seit Jahrzehnten standesamtlich verheiratet und haben sich jetzt zur kirchlichen Trauung entschlossen. Bei beiden Trauungen haben die Paare und Gemeindemitglieder den Gottesdienst aktiv mitgestaltet. Beide Gottesdienste wurden nicht nur als Familien-, sondern auch als Gemeindeereignis wahrgenommen.

IV. Personen

Nach positiven Voten des Presbyteriums und des KSV hat das Landeskirchenamt der Befreiung von der Residenzpflicht und der Dienstwohnungsverpflichtung für Pfarrer Ingo Schrooten zugestimmt. Er wohnt seit dem 1. Februar 2017 in Winningen. In der Gemeinde wurde der Wohnortwechsel wohlwollend wahrgenommen.

Am 3. September 2017 wurde Sandra Schüler als Küsterin verabschiedet und Susanne Albrecht in ihr Amt als Küsterin eingeführt.

Am 31. Oktober 2017 wird Bernhard Wibben in einem feierlichen Gottesdienst mit anschließendem Empfang in den Ruhestand als Gemeindepädagoge verabschiedet. Er wird nebenamtlich auch in seinem Ruhestand in einigen Bereichen der Gemeinde weiter arbeiten.

V. Ein vorsichtiges Fazit

Als Diasporagemeinde (10% Evangelische) ohne langjährige gemeinsame Traditionen der Mitglieder und ohne auf die Gemeinde bezogene Sozialkontrolle (27 Dörfer) ist es weiterhin eine Herausforderung, Kontinuität und Verbindlichkeit im Gemeindeleben zu bauen und zu erhalten. Die Teilnahme am Gemeindeleben ist für die Mehrzahl der Mitglieder punktuell und selektiv, obwohl die gesellschaftliche Relevanz unserer Kirchengemeinde durch die vernetzte Arbeit in vielen Bereichen und eine Vielzahl auffälliger Veranstaltungen mit verschiedenen Kooperationspartnern sehr deutlich auf dem ganzen Maifeld wahrgenommen wird. Die Bezeichnung unserer Gemeinde in einem früheren Gemeindebericht als „Labor postmoderner Religiösität“ ist zutreffend. Es bleibt unsere Aufgabe, gezielt und kreativ Menschen zum aktiven Mitmachen und verbindlicher Teilnahme anzusprechen.

Vom Presbyterium beraten und einstimmig genehmigt mit Beschluss Nr. 46/2017 vom 19. September 2017.

Gemeindebericht 2011

Gemeindebericht 2011 der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld

I) Ihr seid doch keine Sekte?

„Natürlich nicht, wir sind Mitglied der EkiR und haben alle Kennzeichen einer volkskirchlichen Gemeinde.“ So könnte die schnelle Antwort auf die Frage einer römisch-katholischen Christin sein, die ihre Tochter, ein aktives Gemeindemitglied, in einem Sonntagsgottesdienst begleitete.


Doch welche Assoziationen stehen hinter dieser Außenbetrachtung? Eine lebendige, erkennbare Gemeinschaft, freundliche Ausstrahlung, eine einladende, vielleicht sogar werbende Atmosphäre, ein inhaltliches Profil, das auch abgrenzend wirkt – all diese Aspekte unserer Gemeindewirklichkeit könnten diese Frage angeregt haben.

In der Volkskirche scheint es anders zuzugehen: Fast alle sind Mitglied der Kirche. Die Zugehörigkeit vermittelt ein hohes Maß an Sicherheit und ermöglicht gleichzeitig die verschiedensten Varianten von Distanz und Nähe zur Kirchengemeinde. Offenheit und Pluralität auf der einen Seite, Sicherheit, auch in Bezug auf die Positionierung in der Gesellschaft auf der anderen Seite: Diese Aspekte volkskirchlicher Realität sind in beiden großen Kirchen, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung, zu finden. So sehen dann schnell alle anderen christlichen Gemeinschaften wie Sekten aus, sogar volkskirchliche Gemeinden mit einem bestimmtem Profil.

Nun scheint das Ende der volkskirchlichen Strukturen erkennbar zu werden: „Ich denke, dass die Kirche der Zukunft eine Kirche der Entscheidung sein muss und wird. Die Zeit der Volkskirche, wo Menschen in ihren Glauben hinein geboren werden, ist vorbei“ (Bischof Stephan Ackermann, RZ 19.8.2011). „Perspektivisch geht es wohl um die Emergenz einer neuen Gestalt von Kirche, die nicht mehr Großkirche oder Volkskirche sein wird.“ (aus den Visitationsunterlagen der ev. Kirchengemeinde Bendorf, Februar 2011).

Deswegen wird tatsächlich die Frage des theologischen Ausschusses nach unserer Fähigkeit, zu begeistern, also auch nach dem Zugang zu unseren Gemeinden, wie die Frage nach der Bindung an die Kirche, wichtig. Für unsere Kirchengemeinde ergibt sich die Notwendigkeit einer Ortsbestimmung zwischen Verbindlichkeit / Erkennbarkeit auf der einen und Offenheit / Pluralität auf der anderen Seite. Wir leben außerdem in der Überzeugung, ohne ökumenische weltweite Bezüge nicht christliche Gemeinde sein zu können.

II) Offen und verbindlich

Immer noch besteht für viele der erste Zugang in der Inanspruchnahme volkskirchlicher Dienste. Soll der Kontakt kontinuierlicher und verbindlicher werden, spielt die Ausstrahlung einzelner Menschen, aber auch die von Gemeindegruppen und die der Gottesdienste eine große Rolle. Die Bindung an die Kirche vollzieht sich nach unserer Beobachtung immer im direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort. Gemeindearbeit ist Beziehungsarbeit, gemeint sind die zwischenmenschlichen Beziehungen genauso wie die gemeinsame Pflege der Gottesbeziehung.

Erfahrbare Gemeinschaft und Verlässlichkeit in den Beziehungen und Kontinuität in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, erleben wir auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist die Offenheit und der einladende Charakter unserer Gemeinde groß. Die niedrige Zugangsschwelle erlaubt das problemlose Hineingehen genauso wie das lautlose Herausgehen. Besucherzahlen auf stabilem, nicht niedrigem, aber auch nicht hohem Niveau irritieren. Ist unsere Bindungsqualität nicht hoch genug? Oder sind die Menschen heute vielleicht immer weniger bindungsfähig oder bindungswillig? Vielleicht beschreibt die seit Jahren stabile Situation mit der Tendenz sehr langsamer Steigerung den für uns richtigen Grad zwischen Distanz und Nähe.

Nachfolgend beschreiben wir Eigenschaften unserer Kirchengemeinde, die die Ortsbestimmung erläutern, anhand herausragender Ereignisse des Berichtszeitraumes.

1) Verbindliche Gemeinde

Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ist kontinuierlich hoch: Für zwei 2010 nach langjähriger Mitarbeit ausgeschiedene Presbyteriumsmitglieder konnten problemlos Neue gefunden werden, davon hat eine Frau bereits die Aufgabe der Baukirchmeisterin übernommen. Die Verabschiedung und Nachberufung fand im Dezember 2010 statt. Für die Presbyteriumswahl 2012 wird nur eine Presbyterin aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stehen. Für neun Presbyteriumsplätze stehen bis jetzt 11 Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung. An der jährlichen Wochenendfahrt im November, 2010 auf den Spuren von Philipp Melanchton, haben wieder alle Mitglieder mit ihren Partnerinnen und Partnern teilgenommen.

Der Mitarbeiterkreis für den kirchlichen Untericht besteht aus insgesamt 45 jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren. 32 davon nehmen regelmäßig an den Treffen am Mittwochabend teil, 18 Jugendliche, davon 10, die nach ihrer Konfirmation 2011 neu angefangen haben, sind im wöchentlichen Konfirmationsunterricht eingesetzt. Die jährliche einwöchige Schulungsfahrt in den Herbstferien leistet weiterhin die wichtige Integrationsarbeit zwischen Alten und Neuen. In diesem Jahr werden wir das erste Mal auf einem Großsegler unterwegs sein. Das Presbyterium hatte die Bereitschaft gezeigt, die höheren Bezuschussungskosten zu tragen.

Das Blockflötenensemble hat nach dem Wegzug von Xenia Schrooten mit Judith Seul eine neue kompetente Leiterin gefunden. Die musikalische Gestaltung des ökumenischen Lichtergottesdienstes am 01.02.2011 und des Karfreitagsgottesdienstes war erstklassig. Das Ensemble besteht derzeit aus 7 Mitgliedern.

Der Spiritual-Chor besteht aktuell aus 21 Sängerinnen und Sängern. Die gute Gruppenatmosphäre und die Qualität der Leitung wird von ihnen ausdrücklich hervorgehoben. Alt und Tenor sind leider trotz Werbung weiterhin gering oder überhaupt nicht besetzt.

Nach einer enttäuschenden Beteiligung an der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitersegnung 2010 haben wir einen persönlichen Einladungsbrief an alle Aktiven gerichtet und hohe Aufmerksamkeit auf die Gestaltung des Segnungsgottesdienstes gelegt. Im Januar 2011 waren die Beteiligung und die Intensität gut. Die Party für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Reformationsgottesdienst hat sich auch im Oktober 2010 als Treffpunkt der unterschiedlichen Altersgruppen und Gemeindebereiche bewährt.

Im Winter 2011 werden wir mit einem biblisch-katechetischen Grundkurs für Erwachsene beginnen. Er soll theologisch interessierte Gemeindemitglieder ansprechen. Der Kurs könnte sich auch als Taufvorbereitung für Erwachsenentaufen anbieten. Wir können auf Arbeitsmaterial der alten Mayener Gemeinde mit befreiungstheologischer Tendenz zurückgreifen.

2) Gemeinde ohne Bindungsdruck

Wir ermöglichen Begegnungen, ohne zu verpflichten und schnell zu vereinnahmen:

Der Gottesdienst am Ostermorgen zum Sonnenaufgang hat mittlerweile eine 25-jährige Tradition und erfreut sich steigender Beteiligung. Um 05:30 Uhr trafen sich in diesem Jahr auf der höchsten Erhebung des Maifeldes, dem Sammetzkopf, ca. 70 Menschen unterschiedlicher Konfessionen, darunter auch einige ohne sonstige Kirchenbindung. Mehr als 40 nahmen am anschließenden Osterfrühstück im Gemeindezentrum teil.

Der Familiengottesdienst am Ostermorgen um 10:00 Uhr spricht viele auch gemeindeferne Familien an. Die Kinder der Kinderbibelzeit (KIBIZ) waren sehr stolz auf das Kreuz aus fünf Passions- und Osterbildern, die sie auf Plexiglas mit Ölfarben gemalt hatten. Das Kreuz stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes und findet bei Gottesdiensten auch außerhalb des Gemeindezentrums weiter Verwendung.

Unsere Gemeindewanderung im August bot viele Formen der Beteiligung. Ungefähr 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begonnen den Tag mit einem kurzen Sendungsgottesdienst und wanderten im strömenden Regen zur Heilig-Kreuz-Kapelle oberhalb von Mertloch. Sehr viel mehr nahmen am dortigen Gottesdienst unter freiem Himmel teil. Das abschließende gemeinsame Essen an der Mertlocher Grillhütte zog weitere Gemeindemitglieder an.

Die große Beteiligung an herausragenden Ereignissen hat nach unserer Beobachtung kaum Auswirkungen auf die kontinuierliche Beteiligung in regelmäßigen Gruppen und normalen Gottesdiensten. Dennoch signalisieren sie die Offenheit der Gemeinde. Die Möglichkeit der Teilnahme ohne Bindungsdruck steht gleichberechtigt neben der Einladung zur verbindlichen Gemeinschaft.

3) Gemeinde mit Ausstrahlung

Immer wieder werden wir auf unsere einladende, freundliche Ausstrahlung angesprochen. Dies lässt sich auch an der langsam wachsenden Zahl der Gottesdienstteilnehmer ablesen. Es kommen auch Christen anderer Konfessionen regelmäßig zu unseren Gottesdiensten.

Vielleicht deutet die höhere Erfassungszahl im KU auf die gestiegene Bereitschaft zur Bindung hin: Im Jahr 2011 haben sich 29 Konfirmandinnen und Konfirmanden angemeldet, 32 wurden angeschrieben. Dies ist eine Steigerung auf 90% Erfassung gegenüber lediglich 66% noch vor einigen Jahren.

4) Sich öffnende Gemeinde

Auf der einen Seite verstärkt sich unsere Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und kommunalen Einrichtungen: Die Zahl der ökumenischen Schulgottesdienste und der ökumenischen Gottesdienste in den Caritaswerkstätten ist aufgrund höherer Nachfrage gestiegen. Der Musikverein Polch hat im tiefen Schnee die Gottesdienstbesucher am Heiligabend 2010 stimmungsvoll mit traditionellen Weihnachtsliedern auf ihren Nachhauseweg nach dem Gottesdienst geleitet.

Auf der anderen Seite wird die kirchliche Beteiligung an gesellschaftlichen Ereignissen weniger selbstverständlich nachgefragt: Der Mertlocher Bauernmarkt hatte zum dritten Mal in Folge keinen ökumenischen Gottesdienst im Programm, obwohl 2005 bei der Erstveranstaltung ein solcher Gottesdienst mit großer Beteiligung und hoher positiver Beachtung gefeiert wurde. Die Eigeninitiative der römisch- katholischen und evangelischen Gemeinden ist in Zukunft stärker gefragt.

5) Erkennbare Gemeinde

Der jüdisch-christliche Gottesdienst zur Erinnerung an die Pogromnacht am 09.11. war 2010 wieder gut besucht. Er wurde in einer interreligiösen Gruppe auf hohem theologischen Niveau vorbereitet. 2010 war dieser Gottesdienstbesuch auch Bestandteil des KU. Das Thema wurde wie in den letzten Jahren im KU ausführlich behandelt.

Im Januar 2011 hat sich ein Elternpaar nach ausführlicher Beratung für eine Kindersegnung statt der Kindertaufe entschieden.

Pfarrer Ingo Schrooten hat auf der Koblenzer Anti-Atom-Demonstration im Mai 2011 als evangelischer Vertreter gesprochen. Die Kurzansprache war kapitalismuskritisch ausgerichtet. Auch Maifelder Gemeindemitglieder nahmen an der Demonstration teil.

Eine Gruppe jugendlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fuhr mit großer finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde zum Kirchentag nach Dresden. Die Pastoralreferentin des Dekanats Maifeld-Untermosel übernahm die organisatorische Vorbereitung dankenswerterweise für uns mit. Der Kirchentagsbesuch wurde inhaltlich vor- und nachbereitet. Die Jugendlichen gestalteten für die Gemeinde mit ihren Erfahrungen einen „Gottesdienst von uns für euch“.

6) Orientierungsstiftende Gemeinde

Im KU-Seminar im März 2011 zur Vorbereitung des Vorstellungsgottesdienstes arbeiteten die Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Vaterunser. Die dabei erstellten großen Fensterbilder haben einen bemerkenswerten künstlerischen Anspruch und gehören auf Beschluss des Presbyteriums in Wechselrahmen jetzt zur festen Ausstattung unseres Gottesdienstraumes. Die Beschäftigung mit den Inhalten wurde für die Jugendlichen so intensiviert und durch die positive Rückmeldung in der Öffentlichkeit nochmals verstärkt.

7) Anteilnehmende Gemeinde

Leiden lässt uns nicht kalt. Zuwendung ist gefragt, Trost, Anteilnahme und Mitgefühl:

Die Partnerschaft der Kirchengemeinde mit dem psychologischen Projekt Ekupholeni in den Townships von Johannesburg in Südafrika ist seit Jahren lebendig. Die Leiterin Antje Manfroni besuchte uns im Juli und informierte in einem Seminar und in einem Gottesdienst über die Arbeit mit Kindern. Beispielsweise organisierte Ekupholeni einen Menschenrechtstag mit über 1000 Kindern an einer Schule. Ekupholeni unterstützt Kinderfamilien, die alle hilfefähigen Erwachsenen durch AIDS oder verschiedene Formen von Gewalt verloren haben.

Im Mai fand im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Zentrums für frühe Hilfen das zweite Evaluationstreffen statt. Aufgrund des Erfolges und der Qualität der Arbeit wurde für die Fortsetzung der auf Ende 2011 begrenzten Förderung votiert. Das ZffH begleitet Eltern mit unterschiedlichstem Unterstützungsbedarf in der frühen Erziehungsphase ihrer Kinder. Die Kirchengemeinde ist für dieses Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz in einer Trägergemeinschaft mit dem Caritas-Verband.

III) Unverzichtbar ökumenisch

Kirche Jesu Christi kann nicht isoliert vor Ort existieren. Die Verbundenheit mit der Christenheit in der Einen Welt ist uns unverzichtbar. Ebenso sind wir uns unserer weltweiten Verantwortung bewusst.

Die regionale Ökumene kommt mehr in den Gemeinden an: Der offizielle gegenseitige Besuch durch Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern bei großen Pfarr- und Gemeindeereignissen findet Beachtung und Anerkennung.

Anfang Februar feierten wir das erste Mal einen ökumenischen Lichtergottesdienst zum Abschluss des Weihnachtsfestkreises in der nur von Kerzen erleuchteten St.-Georgs-Kapelle auf dem Polcher Friedhof. Der Gottesdienst wurde nicht nur von den Theologinnen und Theologen, sondern auch von einer mit theologischen Laien besetzten ökumenischen Gruppe vorbereitet. Er soll jetzt jährlich gefeiert werden.

In den vergangenen Monaten wurde deutlicher als bisher, dass die evangelischen Gemeinden der Region aufeinander angewiesen sind. Aufgrund von Krankheiten und Vakanzen in mehreren Gemeinden war der Vertretungsbedarf groß. Auch die inhaltliche Zusammenarbeit im Rahmen des Regionalkonventes hat sich verstärkt.

Beraten und beschlossen durch das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld am 06.09.2011

Gemeindebericht 2009

Bildung ist mehr… – Gemeindebericht der evangelischen Kirchengemeinde Maifeld

1. Unser Zugang zum Thema: Chancen unserer Gemeinde

1.1. Unsere Chance in der Gemeindeperspektive: Bildung in Gemeinschaft

Unser Leitbild, das Haus mit offenen Türen, beschreibt unsere Gemeinde als Haus, als Ort der Gemeinschaft. Für das Thema Bildung wird hier eine große Chance für uns als Gemeinde angezeigt. Denn wirkliches Lernen findet nach unserem Verständnis in und mit der Gemeinschaft der Geschwister statt. So versteht sich unsere Gemeinde als Gemeinschaft von Lernenden.


1.2. Unsere Chance in der Weltperspektive: Bildung als Kritik an den Verhältnissen und als Praxis der Veränderung

In unserer Gemeinde ist der kritische Blick auf die bestehenden Verhältnisse gute Tradition. In unserem Leitbild beschreiben die offenen Türen unser Vorhaben, tätig auf eine gerechte und friedvolle Welt hin zu wirken. In dieser Gemeindetradition sehen wir eine zweite Chance in Hinblick auf das Thema Bildung. Wir haben langjährige Erfahrung darin, Bildung als verändernde Praxis zu verstehen und zu erproben.

1.3. Unsere Chance in der Gottesperspektive: Bildung als Geschenk und Aufgabe, in Vertrauen und Verantwortung

Wer baut denn unser Haus mit offenen Türen? Wir vertrauen darauf, dass Gott der Erbauer ist. Dieses Vertrauen empfinden wir als Entlastung und Geschenk: „Durch ihn (den Herrn) werdet ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist“. (Eph 2,22)

Aber ebenso sehen wir unsere Verantwortung füreinander und für die Welt. Wir sind die Miterbauer. Das ist Gottes Aufgabe an uns: „Ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause.“ (1. Petr 2,5)

Das spannungsvolle Miteinander von Geschenk und Aufgabe und unsere zweifache Antwort darauf in Vertrauen und in Verantwortung begleitet unser gesamtes Gemeindeleben. Wir sehen darin im Zusammenhang des Bildungsthemas eine dritte Chance.

2. Aspekte des Bildungsthemas in der Praxis unserer Gemeindebereiche

2.1. Bildung ist Anleitung zum Vertrauen

Nach unserem Verständnis können wir Vertrauen lernen. Wir wollen in der Gemeinde geschützte Räume bieten, in denen solches Lernen möglich ist.

2.1.1. Gottesdienste

Die Gottesdienste werden von vielen der regelmäßig Teilnehmenden als Kraftquelle erlebt. Sie erfahren eine Situation des Aufgehobenseins und der Geborgenheit. Dabei spielen viele Aspekte eine Rolle: Die lebendige und gleichzeitig liebevolle Ausstrahlung der Gruppe im Gottesdienst, die Möglichkeit von spontanen Einwürfen, die Gleichförmigkeit der Liturgie und gleichzeitige Spontanität der Gestaltung, die Beteiligung mehrerer im liturgischen Geschehen, das Miteinander von traditionellen und neuen, z.T. sehr gemeindespezifischen Liedern und Gebeten, die helle, wohnliche Ausstrahlung des Gottesdienstraumes, der Blick durch die großen Fenster in den Gemeindegarten .

2.1.2. Bibelkreis

Im Bibelkreis ist die wache und kritische Auseinandersetzung mit dem Bibeltext im Gespräch genauso wichtig wie der Austausch von (Glaubens-) Erfahrungen. So nimmt der Vergleich der verschiedenen Übersetzungen und u.U. die Einbeziehung des Urtextes einen wichtigen Raum ein. Genauso gut zeugen sehr persönliche Erzählungen und unsere Gebete und Lieder von dem gelebten Vertrauen in der Gruppe.

2.1.3. Andachtsgespräche in vielen Gruppen

In den meisten Gemeindegruppen ist es zur Regel geworden, vor dem Übergang ins Tagesgeschäft ein Gespräch über einen Bibeltext zu führen. Es ist eine kurze Auszeit, Zeit zum Fragen, Zuhören, Antworten finden und Besinnen.

2.2. Bildung ist gleichrangiger Austausch von Wissen

In unserer Gemeinde ist es gute Tradition, dass Verantwortung von mehreren getragen wird. So steht das Vertrauen in das Mittragen der anderen in einem engen Verhältnis zum eigenen verantwortlichen Handeln. Dem entspricht in vielen Lernsituationen die Aufweichung der SchülerInnen/LehrerInnenrollen. Es werden viele Gemeindemitglieder als Lehrende eingesetzt. Und die Lehrpersonen verstehen sich gleichzeitig als Mitlernende in der Gruppe.

2.2.1. MitarbeiterInnenkreis im KonfirmandInnenunterricht (Miku)

Im Miku werden nach guter Gemeindetradition viele Gemeindemitglieder als PädagogInnen eingeübt und treten dann als solche auf. Anscheinend ist diese Aufgabe für Jugendliche so attraktiv, dass sie trotz dem hohem Aufwand von mindestens 5 Wochenstunden und den großen Anforderungen an die eigene Person verlässliche Mitglieder sind. Aktuell steht der Miku aufgrund veränderter Bedingungen vor neuen Herausforderungen: Schnell sinkende KonfirmandInnenzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung (07/08: 48; 08/09: 37, 09/10: 27) stehen steigende Zahlen im MitarbeiterInnenkreis gegenüber (08: 27; 09: 37). Bisher konnte trotzdem die konzentrierte und verbindliche Atmosphäre im Miku erhalten werden. Aber im KonfirmandInnenunterricht stehen jetzt über 20 aktive MitarbeiterInnen 27 KonfirmandInnen gegenüber. Viele MitarbeiterInnen werden am Dienstagnachmittag rollenspielartig neben den KonfirmandInnen die Rolle der Lernenden einnehmen, während abwechselnd nur 2 Mitarbeitende in 4 Kleingruppen als Lehrende eingesetzt werden.

2.2.2. Musikgruppen

Gerade in der musikalischen Arbeit ist das Miteinander von Lernen und Lehren besonders wichtig. Während dies in den kleineren Gruppen (Blockflötenensemble und Jugendgospelchor) fast selbstverständlich funktioniert und im Kindergospelchor aufgrund der klaren Rollenverteilung unproblematisch ist, ist es im Spiritualchor eine ständige Herausforderung für Chor und Chorleiter. Für den Chorleiter gilt es, einfühlsam zu leiten und dabei selbst immer weiter zu lernen. Die Chormitglieder unterwerfen sich der klar strukturierten Leitung und sind gleichzeitig bereit, die Situation in der Gruppe aktiv mitzugestalten.

2.2.3. Gemeindebrief als Denkanstoß

In der wöchentlich erscheinenden Gemeindeseite im Verbandsgemeindeblatt, unserem Gemeindebrief, erscheinen immer wieder Artikel, die Denkanstöße geben, so z.B. zum Thema Heimat oder zur Wirtschaftskrise (siehe Anlage). Dabei geht es uns nicht darum, von oben zu belehren. Unsere Beiträge sollen Impulse zu Gesprächen geben.

2.2.4. Gottesdienste von vielen vorbereitet und durchgeführt

Die aktive Einbeziehung vieler im Gottesdienst und die Sprachfähigkeit in Glaubensdingen nicht nur für „Profis“ ist gute Tradition in unserer Gemeinde: Dies zeigt sich in den „Gottesdiensten von uns für euch“ und in dem Einsatz von LiturgInnen. Es ist uns auch gelungen, in den monatlichen Taufgottesdiensten die Tauffamilien stärker aktiv einzubinden. Dies ging über das Formulieren und Lesen von Fürbitten und das Aussuchen einiger Lieder über die persönliche Begründung des Taufspruches bis zur Beteiligung einer Taufpatin bei der Predigt.

2.3. Bildung ist soziales Lernen

In vielen Gemeindebereichen ist neben der offensichtlichen Aufgabe (Chorarbeit, Leitung, KonfirmandInnenarbeit …) die Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit der Menschen in unserer Gemeinde wichtig. Auch hier gehören das Vertrauen in das achtsame Handeln der anderen und das eigene verantwortliche Handeln zusammen.

2.3.1. Gefühlsrunde

Die in vielen Gruppen eingeführte Befindlichkeitsrunde am Anfang stärkt die Wahrnehmung füreinander und die Achtsamkeit.

2.3.2. Gruppenregeln in größeren Gruppen und Gottesdiensten

Wir wollen gerade im Kontext unserer individualisierten Gesellschaft Achtsamkeit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit lernen und einüben. Für uns als Veranstalter gerade von größeren Gemeindegruppen und Gottesdiensten bedeutet dies, dass wir klare Regeln aufstellen und auf deren Einhaltung achten. Für uns als Teilnehmende in der Kirchengemeinde bedeutet es, die Einschränkung des augenblicklichen persönlichen Bedürfnisses im Interesse der Gemeinschaft und das Einhalten von Regeln einzuüben.

2.3.3. Verantwortung für das Ganze der Kirchengemeinde

Den Blick für die anderen Bereiche und für das Ganze der Kirchengemeinde zu schärfen, ist unsere ständige Aufgabe und ein wichtiger Aspekt sozialen Lernens. Die Treffpunkte für die Aktiven und Engagierten sind uns dabei besonders wichtig: Die dritte MitarbeiterInnensegnung im Januar 2009, die zweite MitarbeiterInnenparty nach dem Reformationsgottesdienst 2008, die Christmette mit anschließender kleiner Gemeindeweihnachtsfeier im Pfarrhaus, das Tischabendmahl am 2. Weihnachtstag, der Osterfrühgottesdienst auf dem Sammetzkopf mit anschließendem Osterfrühstück und die Gemeindewanderung als kleines Gemeindefest im September 2009 hatten diese verbindende Funktion. Auch in den einzelnen Gemeindegruppen wird immer wieder für den Blick und die Aktivität für das Ganze der Kirchengemeinde geworben.

2.4. Bildung ist Lernen im Leiten

In den Leitungsgremien unserer Gemeinde spielt das Lernen der Leitenden eine große Rolle.

2.4.1. Presbyterium

Die Presbyteriumsabende sind ein wichtiges Lernfeld. Mit hoher Bereitschaft wird von den Mitgliedern von der Fachkompetenz der einzelnen profitiert: Pädagogik, Bau- und Finanzwesen, soziale Kompetenz, Informatik, Theologie. Auf der Presbyteriumsrüstzeit im November 2008 auf den Spuren von Thomas Müntzer war das Interesse für den oft verschwiegenen so genannten linken Flügel der Reformation groß.

2.4.2. Steuerungsgruppe und Ausschuss für Theologie und Gottesdienst

Nach dem Erstellen des Leitbildes 2003 ist die neugebildete Steuerungsgruppe seit Mitte 2008 mit der Erarbeitung einer ausführlichen Gemeindekonzeption beschäftigt. Wir erwarten Anfang 2010 das Ende dieses aufwändigen und lernintensiven Prozesses. Im Ausschuss für Theologie und Gottesdienst wurde unser Gemeindeliederbuch überarbeitet und eine Vielzahl neuer Lieder und Gebete vorstellt und ausgewählt. Die Einführung des neuen Liederbuches ist zu Beginn des neuen Kirchenjahres vorgesehen.

2.5. Bildung ist grenzüberschreitendes Lernen

Jenseits des Wissens im Rahmen unserer Herkunft, unserer Biographie, unserer eigenen religiösen Sozialisation und unserer eigenen Möglichkeiten sehen wir in der Konfrontation mit dem Anderen und Fremden eine Herausforderung und eine Chance für uns.

2.5.1. Jüdisch-christlicher Dialog

Die jährliche Vorbereitung und Durchführung des interkonfessionellen Gottesdienstes in Gedenken an die Reichspogromnacht ist für die Beteiligten ein besonderes Lernfeld. In der Vorbereitungsgruppe der Beteiligten aus der jüdischen, der katholischen und der evangelischen Gemeinde wird das theologische Gespräch mit großem Interesse und auf hohem Niveau geführt, in diesem Jahr zu einem nichtkanonischen Psalm aus Qumran.

2.5.2. Internationale Partnerschaften

Die Partnerschaft zu dem Projekt Ekupholeni in Johannesburg/Südafrika gewinnt in unserer Gemeinde hohe Anteilnahme, wenn auch die inhaltliche Beschäftigung mit der dortigen Problematik nicht sehr ausgeprägt ist. Die Jugendbegegnung auf den Philippinen hat bei den drei beteiligten Jugendlichen aus unserer Gemeinde viel ausgelöst. Sie haben sich trotz der Verschiebung der Rückbegegnung und der damit verbundenen Terminschwierigkeiten nach Kräften hierbei eingesetzt.

2.5.3. Bildung und soziale Verantwortung

Uns ist als Gemeinde wichtig, dass die Armen unter uns selbstverständlich als notwendiger Dienst der Gemeinschaft an den Mitgliedern unterstützt werden und in das normale Gemeindeleben integriert sind. Dies ist ein Lernfeld für unsere Mitglieder.

Der „Münstertreff“ in Kooperation mit Caritas soll die sozial Benachteiligten auf dem Maifeld unterstützen und begleiten. Hier spielt neben der materiellen Unterstützung die soziale Integration eine wesentliche Rolle. Nicht Armenfürsorge, sondern das Leben an der Seite der Armen ist die Absicht. Aufgrund der Wandlung von Schulen auf dem Maifeld in Ganztagsschulen und der Angliederung der Jugendhilfe an diese Schulen wird sich die Arbeit grundlegend ändern. Die Erarbeitung der neuen Konzeption, die die Arbeit mit den Kleinkindern in den Mittelpunkt rückt, war nur aufgrund des hohen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und der Einbeziehung vieler (Kreisjugendamt, PolitikerInnen, Trägergespräch, …) möglich.

Die Vorstellung der Arbeit in einer Presbyteriumssitzung in den Räumen der Einrichtung in Münstermaifeld war für die PresbyterInnen z.T. neu und sehr aufschlussreich.

Im Aufbau unserer Kirchengemeinde und in der Übernahme von Verantwortung für unsere Mitglieder und die Welt sehen wir unsere Bildungsaufgabe.

Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld, beschlossen in der Presbyteriumssitzung am 08. September 2009


Anlage: Beispiel eines Textes zum Thema Wirtschaftskrise in unserer wöchentlich im Verbandsgemeindeblatt erscheinenden Gemeindeseite, unserem Gemeindebrief, erschienen im August 09:

Es bleibt nicht alles, wie es ist! Ein Versuch über die Weltwirtschaftskrise aus christlicher Sicht

Geldvermehrung ohne ein Wunder

Wie vermehre ich mein Geld? Indem ich es zur Bank bringe und die Zinsen erwarte. Aber wieso wird das Geld auf der Bank verzinst? Wo kommt dieser Geldzuwachs her?

Der Ursprung der Geldvermehrung auf der Bank liegt im Verleihen des Geldes an Unternehmen, die so ihre Investitionen finanzieren. Und die sind bereit, mehr zu zahlen, weil sie das Geld im Vorgriff auf ihre Gewinne geliehen haben. Der Gewinn der Unternehmen, ihr Erwirtschaften von Mehrwert, ist der Ursprung der Geldvermehrung in unserem Wirtschaftssystem, auch der Zinsen auf der Bank.

Aber wie genau wird das Geld in den Unternehmen vermehrt, ohne dass irgendjemand betrogen wird? Das Geheimnis liegt in einem besonderen Material, das neben Maschinen, Rohstoffen und Anderem jeder Warenproduktion zugrunde liegt: die Arbeitskraft der angestellten Menschen.

Denn während der Einsatz aller anderen Materialien im Prinzip für die Unternehmer ein Nullsummenspiel ist – sie bekommen beim Verkauf des neuen Produkts das heraus, was sie eingesetzt haben – entsteht durch den Einsatz der Arbeitskraft ein Mehrwert: die angestellten Menschen bekommen im gesellschaftlichen Durchschnitt das für ihre Arbeit bezahlt, was sie selbst investieren müssen, um sich und ihre Familie gesund und glücklich zu erhalten und zu machen.

Aber sie bleiben erheblich länger an ihrem Arbeitsplatz als nötig ist, um diesen Betrag zu erwirtschaften. Durch diese Mehrarbeit entsteht der Mehrwert, die Grundlage der Geldvermehrung und der gesamten „Wohlstandsmaschine“ in unserem Wirtschaftssystem.

Das Kapital wird arbeitslos

Und genau so entsteht das Problem, dass unserem Wirtschaftssystem grundsätzlich innewohnt: Jeder Unternehmer muss das Interesse haben, den Anteil der Mehrarbeit an einem Arbeitstag möglichst groß zu machen. Dies geschieht durch die Verlänge- rung des Arbeitstages, die heutzutage auch bei uns wieder eine Rolle spielt. Wichtiger aber ist die Erhöhung der Produktivität. Sie verschiebt den prozentualen Anteil in der Gesamtarbeit zugunsten der Mehrarbeit. Immer neue Erfindungen müssen her, um die Arbeit immer effektiver und schneller zu machen. Die mikroelektronische Revolution in den letzten Jahrzehnten ist bisher die letzte Stufe in dieser Entwicklung: Heute arbeiten ganze Fabriken, ohne dass man einen Menschen sieht. Und hier wird das Problem deutlich. Um die Arbeitskraft in Konkurrenz zu den anderen Unternehmen möglichst gut zu verwerten, wird durch die Erhöhung der Produktivität ihr Anteil an den Gesamtinvestitionen immer kleiner, bis sie zu verschwinden scheint: Das Kapital verliert die Arbeit und damit den Motor der gesamten Vermehrungsmaschine.

Eine (Finanz-)Blase ist geplatzt

Die Entdeckung immer neuer Märkte im In- und Ausland und die Entwicklung immer neuer, oft unsinniger und gefährlicher Produkte (viele Kinderverdummungsspielzeuge seien hier nur als ein Beispiel genannt) mildern das Problem, sind mittlerweile aber auch an ihre Grenzen gestoßen.

Die Vorauskosten an Sachkapital werden immer höher. Seit den 70er Jahren ist weltweit eine immense Erhöhung der Verschuldungen festzustellen. Auch viele Staaten verschuldeten sich, um den immer höher werdenden Beitrag zu finanzieren, der zum unterstützenden Eingriff in die Wirtschaft oder als Krisenintervention gewollt war. Verbunden damit ist die Spekulation mit den Schuldentiteln. Aber das Ganze funktioniert auf Dauer nur so lange, wie der Finanzüberbau mit dem realen Wirtschaften verknüpft ist. Und genau diese Verknüpfung ist durch die tendentielle Abschaffung der menschlichen Arbeit in der Produktion (s.o.) grundsätzlich in Frage gestellt. Die Erschütterung, die durch das Platzen der Finanzblase geschah, könnte also sehr grundsätzlich sein („Kernschmelze des Kapitalismus“, so die Frankfurter Rundschau).

Es bleibt nicht alles, wie es ist!

Ich habe nicht die Absicht, ein Weltuntergangsszenario an die Wand zu malen, denn darum geht es nicht. Aber gerade der Hinweis auf die Grundsätzlichkeit der Krise kann sehr heilsam sein: Es bleibt eben nicht immer alles so, wie es ist. Genauso wenig ist die Behauptung wahr, dass im Prinzip alles immer schon so war, wie es jetzt ist. Gott ist der einzig Ewige. Und das ist auch gut so: Denn jenseits aller Krisen hat unser Wirtschaftssystem eine Vernichtung und Brutalität freigesetzt, auf die auch wir Christen immer wieder hingewiesen haben. Ich hoffe, dass diese Krise Christen und anderen Menschen den Anstoß gibt, das Ganze grundsätzlich verändern zu wollen. Denn wir wollen ein Ende von Unrecht und Gewalt und hoffen auf universale Gerechtigkeit und Solidarität.

Ingo Schrooten

Gemeindebericht 2008

Gemeinschaft an der Seite der Leidenden – Gemeinschaft der Leidenden: Jahresbericht 2007 / 2008

I Einleitung:

Unsere Kirchengemeinde als eine Gemeinschaft an der Seite der Leidenden – ist das nicht ein zu hoher An- spruch? Ist dies nicht ein Etikett, das der volkskirchlichen Wirklichkeit einfach übergestülpt ist? Wir glauben: Nein!

Nach unserer Überzeugung ist es (erst recht in der Krise der Volkskirche) der richtige Weg für eine Ortsge- meinde, sich ein erkennbares Profil zu geben. So können wir versuchen, den aktuellen Versuchungen für ei- ne Kirche nicht zu erliegen: Wir wollen nicht das Alte unreflektiert weitermachen und ebenso wenig als po- tenter Anbieter auf dem (Freizeit-, Wohltätigkeits-, Sinn-) Markt auftreten. Beide Sackgassen sind auch in unserem aktuellen Gemeindeleben erkennbar und müssen als solche erkannt werden (siehe unter II).


Parteilichkeit für die Armen ist ein Thema, das unsere Gemeindearbeit seit Jahrzehnten prägt. Darüber hi- naus wird in den letzten Jahren immer deutlicher, dass viele Gemeindemitglieder Verlierer der gesellschaftli- chen und wirtschaftlichen Veränderungen sind, die unter dem Stichwort Globalisierung diskutiert werden. Wir, die Mitglieder der Kirchengemeinde, wollen nicht nur die Anwälte der Leidenden sein, sondern wir lei- den selbst in einer unerlösten Welt (siehe unter III).

Unseren Glauben an den gerechten und liebenden Gott und das Erleben der Gemeinschaft in der Gemeinde wollen wir als Widerstandspotential entdecken: Wir sind getragen (siehe unter IV) und können diese Welt verändern (siehe unter V).

II Sackgassen

Aufgrund der besonderen Bedingungen unserer Kirchengemeinde treffen uns die rasanten Veränderungen im Sozialverhalten der Menschen unverzerrt und ungebremst: Die große Mehrheit der Evangelischen auf dem Maifeld ist in den letzten 10 – 30 Jahren zugezogen. Es besteht kaum eine traditionelle Bindung an un- sere Kirchengemeinde. Die Bereitschaft zur Beweglichkeit zeigt sich genauso deutlich wie das Vermeiden ei- ner längeren zeitlichen Bindung und mangelnde Kontinuität. All dies wird kaum durch traditionelles Teilnah- meverhalten gemildert: Unser Gemeindeleben wird durch eine Vielzahl attraktiver und großer Veranstaltun- gen und Gottesdienste genauso geprägt wie durch eine immer noch erschreckend kleine Beteiligung in ereignislosen Zeiten. Die enttäuschend geringe Beteiligung an der Presbyteriumswahl (2008 8,3 % gegen- über 2004 8,4 %) trotz massiver und phantasievoller Vorarbeit und Werbung spricht dieselbe Sprache.

Die beschriebene Situation, verbunden mit der allgemeinen Krise der Volkskirche, kann zu Irrwegen in der Gemeindearbeit führen, die auch bei uns z.T. eine Rolle spielen:

1) Die erste Sackgasse: Das Alte weitermachen

Auch bei uns gibt es die Verführung, das Gewohnte immer weiter zu machen. Aber immer wieder erkennba- re kurzfristige Veränderungen im Teilnahmeverhalten (große Schwankungen im Gottesdienstbesuch – Sonn- tagsgottesdienst und Kindergottesdienst/KIBIZ, Schwankungen in der Teilnahme an unseren musikalischen Veranstaltungen, Schwankungen in dem Maß der Verbindlichkeit in unseren internen Gruppen …) zwingen zur Überprüfung und zu neuen Strategien.

a) Geburtstagsbesuche: Die Bindung der hauptamtlich und ehrenamtlich Aktiven in den gleichen Arbeitsfel- dern wie vor 30 Jahren, verbunden mit hohem Anspruchsdenken sonst kaum aktiver Mitglieder, gibt es auf dem Maifeld allerdings kaum. So wurden z.B. alte Menschen seit Jahren nur sporadisch an ihrem Geburts- tag besucht. Die Auslastung des Pfarrers und die nicht erkennbare Auswirkung auf den Gemeindeaufbau führten dazu. Die kontinuierliche Wahrnehmung der Geburtstagsbesuche durch den Pfarrer zur Anstellung Michael Stoer in den letzten beiden Jahren wurde freundlich angenommen, hatte aber keine Auswirkung auf das aktive Teilnahmeverhalten. Der jetzt wieder notwendige Wegfall dieser „Dienstleistung“ wird wahrschein- lich keine erkennbaren negativen Reaktionen hervorrufen.

b) Pfarrer-Zentriertheit: Die scherzhafte Titulierung des Pfarrers als „Chef“ oder als „Kapitän des Kirchen- schiffes“ hat auch bei uns durchaus ernste Hintergründe. Für die Kirchendistanzierten genauso wie für unse- re katholischen Geschwister ist die Person des Pfarrers und seine Ausstrahlung nahezu mit der Kirchenge- meinde identisch.

Aber die Volkskirche ist nach unserer Auffassung nicht notwendig pfarrer-zentriert. Vielmehr ist die Domi- nanz des Amtsträgers in allen Bereichen des Gemeindelebens von der Verkündigung über Repräsentanz bis zu Management-Funktionen Ausfluss einer Entwicklung, die wesentlich mit Ausübung und Delegation von Macht in den unterschiedlichen historischen Ausprägungen zu tun hat.

In der Mündigkeit der Gemeindemitglieder in allen Bereichen sehen wir sowohl einen Motor als auch ein Ziel des Gemeindeaufbaus:

  • „Gottesdienste von uns für euch“: Die jetzt so umbenannten Teamgottesdienste einmal im Monat am Sonntag sind seit Jahren fester Bestandteil unseres Gottesdienstplans und gehören zum Selbstbe- wusstsein unserer Gemeinde. Der Mirjamgottesdienst im August 08 steht für viele andere: eine Grup- pe von vier Frauen gestaltete einen anspruchsvollen, lebendigen, phantasievollen, gut besuchten Got- tesdienst.
  • Seit Jahrzehnten haben in allen Gottesdiensten die LektorInnen ein großes Gewicht. Sie beginnen mit der Salutatio nach dem Gloria, sprechen das Themengebet, lesen die Sonntagslesung und leiten das Glaubensbekenntnis an. Die Zahl der LektorInnen ist leider auf 3 – 4 geschrumpft. Interessierte müs- sen neu angesprochen und begleitet werden. Ein großer Lichtblick ist eine 14jährige Lektorin, die seit Monaten mit großem Engagement mit dabei ist. Ihre selbst formulierten Themengebete haben große Authentizität und sprühen von Lebendigkeit.
  • Wir versuchen, den Pfarrer immer mehr aus seiner Rolle als „Gemeindemanager“ zu entbinden. Ein Ehrenamtlicher als Vorsitzender und sehr kompetent und selbstständig arbeitende Bau- und Finanz- Kirchmeister sind Schritte in diese Richtung. Noch Weitergehendes ist vorstellbar und wird diskutiert.
  • Wir versuchen, die Repräsentierung der Kirchengemeinde nicht nur dem Pfarrer zu überlassen: Z.B. Neujahrsempfang und ökumenische Segnung des Feuerwehrautos in einem unserer Dörfer. Einzelne PresbyterInnen oder aktive Mitarbeitende werden mittlerweile in einigen Dörfern als „evangelische Re- präsentanten“ wahrgenommen.

2) Die zweite Sackgasse: Die Marktförmigkeit der Kirche

Der Rollenwechsel der Kirche von einer unverzichtbaren gesellschaftlichen Institution hin zu einem der vie- len Anbieter auf dem (Freizeit-, Wohltätigkeits-, Sinn-) Markt geschieht manchmal bewusst, meistens unre- flektiert. Wir dürfen nicht widerspruchslos an der Ökonomisierung der ganzen Lebenswelt teilnehmen. Wenn soziale Sicherheit, Bildung, Lebensglück und Religion auch bei uns und mit unserer Beteiligung zur Ware wird (selbst wenn wir für unsere „Angebote“ kein Geld nehmen), ändert sich im Verhalten der Menschen sehr grundlegend etwas: Orientierung am augenblicklichen Bedürfnis und Spaß, Verzicht auf Kontinuität, Verherr- lichung des Individuums, Orientierung an den Zahlen und nicht an der evangelischen Qualität, Bevorzugung der potenten „KundInnen“, Verzicht auf das Einüben von Achtsamkeit auf andere … . Die selbstverständliche Übernahme der Begriffe aus der Wirtschaftswelt (Angebote, KundInnen, …) ist ein deutliches Indiz. Was hier geschieht, ist mehr als die Anbiederung an den Zeitgeist. Nach unserer Einschätzung übernehmen neue Götzen die Herrschaft in unserer Gesellschaft, sogar in unseren Kirchen. „Gottes kräftiger Anspruch auf un- ser ganzes Leben“ (Barmer Theologische Erklärung) wird geleugnet.

a) Event-Hascherei oder Aushängeschild: Attraktive Großereignisse bestimmen einen erheblichen Teil unseres Gemeindelebens. Es sind punktuelle Ereignisse, die unsere räumlichen Kapazitäten vollständig aus- reizen und unser Verliebtsein in Zahlen befriedigen:

  • traditionelle „Events“: Weihnachten (an 2 Gottesdiensten am Heiligabend muss der Eintritt vor Beginn wegen Überfüllung verwehrt werden), Konfirmation mit über 600 Teilnehmenden in der Stiftskirche in Münstermaifeld, von den KIBIZ-Kindern vorbereitete Gottesdienste am Ostersonntag (Steigerung von 20 Gottesdienstbesucher 2002 bis zu 170 im Jahr 2008) und Erntedankfest, musikalische Gottes- dienste
  • Ökumenischer Gottesdienst auf dem Kaaner Hoffest im Festzelt
  • Ökumenische Schulgottesdienste: Die Entlassklassen der Polcher weiterführenden Schulen feiern nach aufwendiger Vorbereitung mit den SchülerInnen im unserem vollbesetzten Gemeindehaus, die anderen Schulen in Polch und Münstermaifeld in von Hunderten besuchten Gottesdiensten im Stadt- haus oder in einer katholischen Kirche
  • Ü13-Party, eine Disco für Jugendliche mit bis zu 200 BesucherInnen, zweimal im Jahr
  • Afrikatag, unser Gemeindefest im Juni: Die Konzeption mit zwei BesucherInnenschwerpunkten am Vor- und Nachmittag und der thematischen Orientierung hat sich sehr bewährt, gegenüber ca. 100 Teilnehmenden bei unserem letzten traditionellen Gemeindefest im Jahr 2002 besuchten uns mehrere hundert Menschen im Laufe des Tages.
  • Presbyteriumswahl: Trotz attraktiv gestaltetem Wahltag (Wahlfrühschoppen) mit vielen BesucherInnen und guter Werbung war die Wahlbeteiligung enttäuschend. Sogar regelmäßig Teilnehmende haben z.T. nicht gewählt und konnten also von der Notwendigkeit der Wahl nicht überzeugt werden (siehe unter II oben). Trotzdem sehen wir uns darin bestätigt, keine allgemeine Briefwahl durchgeführt zu ha- ben: Wenn das Abschicken einer Postkarte eine Schwelle ist, die die Wahl verhindert, dann sollte die Unlust zur Mitgestaltung durch die Wahl auch als solche respektiert werden.

Selbstkritisch müssen wir aber einräumen, dass kaum eine Auswirkung der großen Veranstaltungen auf die kontinuierliche Arbeit und die Verbindlichkeit der Teilnahme erkennbar ist. Als ein Aushängeschild für unsere Lebendigkeit werden diese Veranstaltungen wohl notwendig bleiben. Auch die Erfahrung engagierter Mitar- beit von vielen ist sehr positiv (Afrikatag, Ü13-Party, ökumenische Schulgottesdienste). Wir sollten aber ihre Zahl bewusst eingrenzen, um nicht der Gefahr zu erliegen, das Gesicht eines Veranstalters für besondere Events zu bekommen. Nicht punktuelle Teilnahme erwarten wir von unseren Mitgliedern, sondern verbindli- ches Mitgestalten.

b) Kirche für einzelne: Die Kultur des Kaufens und Verkaufens setzt einzelne Menschen als Gegenüber vo- raus. Wir empfinden es als fatal, dass die strukturelle Ähnlichkeit dieser Vereinzelung mit der Betonung der Einzel-Seelsorge und der Einzelbesuche bis hin zur Zergliederung der Gruppen in der Pädagogik in unserer Kirche nicht erkannt wird. Dazu kommt, dass Erfolge bei einzelnen überprüfbarer zu sein scheinen, während komplexe Systeme unbeeinflussbar erscheinen. Der Kampf gegen die Individualisierung scheint von vielen aufgegeben zu sein.

In unserer Gemeindepraxis ist die Einzelseelsorge eine dem gemeinschaftlichem Leben untergeordnete Funktion: Die weitaus meisten Nachfragen um Einzelseelsorge kommen von den kontinuierlich Teilnehmen- den. Darüber hinaus ist Gruppenseelsorge ein wichtiger Aspekt unseres Gemeindelebens: der seelsorgliche Charakter unserer Gottesdienste wird immer wieder betont und die „Gefühlsrunde“ am Beginn vieler Ge- meindegruppen hat oft seelsorglichen Charakter.

III Unser Leiden

Wir wollen nicht nur Anwälte der Leidenden sein, sondern wir erkennen uns selber als Leidende:

1) Materielle Not

Auch auf dem Maifeld ist erkennbar, dass es immer mehr Menschen gibt, die einen sozialen Abstieg erleben oder befürchten. Uns ist als Gemeinde wichtig, dass sie selbstverständlich als notwendiger Dienst der Ge- meinschaft an den Mitgliedern unterstützt werden und in das normale Gemeindeleben unauffällig integriert sind. Ihr Leiden ist das Leiden der Gemeinde. Ihnen zu helfen hilft der Gemeinde.

Der „Münstertreff“ ist eine Gemeinwesenarbeit mit angegliederter Spiel- und Lernstube zur Unterstützung und Begleitung der sozial Benachteiligten auf dem Maifeld in Kooperation mit Caritas. Auch hier spielt neben der materiellen Unterstützung die soziale Integration eine wesentliche Rolle. Nicht Armenfürsorge, sondern das Leben an der Seite der Armen ist die Absicht. Aufgrund der Wandlung vieler Schulen auf dem Maifeld in Ganztagsschulen und der Angliederung der Jugendhilfe an diese Schulen wird sich die Arbeit grundlegend ändern. Wir arbeiten an einer Konzeption, die die Arbeit mit den Vorschulkindern in den Mittelpunkt rückt.

Ende 2007 schied Bernhard Wibben aus seinem Dienst im Münstertreff aus (bedingt durch seinen stärkeren Einsatz im Religionsunterricht an den Maifelder Schulen). Für ihn wurde Ursula Lamm eingestellt.

2) Immaterielle Not

Die rasanten Veränderungen im Sozialverhalten sind auf dem Maifeld genauso wie anderswo spürbar: weite- re Vereinzelung, individualisierte Menschen, die sich oft in virtuellen Lebenswelten besser zurechtfinden als in sozialen Zusammenhängen, immer mehr verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, überforderte und gehetzte Menschen, hemmungslose Rücksichtslosigkeit und Egozentrik, das Verlernen von Verhaltensfor- men in der Gemeinschaft und von Ritualen, Unfähigkeit und Unlust auf Kontinuität und Bindung.

Wir erkennen in diesen Phänomenen soziales Leiden. Wir sind in der Gemeindepraxis andauernd mit dieser Not konfrontiert, in unseren Gruppen, besonders auch in großen Veranstaltungen, wenn z.B. die Rücksichts- losigkeit von Eltern beim Schulanfangsgottesdienst sowohl den Gottesdienst empfindlich stört als auch die Kinder unter starken Druck setzt. Wir versuchen dem in unseren Zusammenhängen soziales Lernen entge- genzusetzen.

3) Leiden mit anderen / Compassion

Die Besucherinnen aus unserem Partnerschaftsprojekt ekupholeni, einem psychologischen Anti-Aids- und Anti-Armuts-Projekt in den Townships von Johannesburg in Südafrika, veranstalteten bei uns im März 2008 einen Infoabend und gestalteten einen Gottesdienst. Sie signalisierten uns sehr deutlich, dass wichtiger als finanzielle Unterstützung das gegenseitige voneinander Wissen und das Wahrnehmen des Leidens ist.

Wir versuchen in der Gemeindearbeit zu vermitteln, dass es um das Mitleiden mit den anderen geht und dass „süße Wohlfahrt“, die Erleichterung des Gewissens durch Zuwendungen an die Armen, letztlich nicht hilfreich ist.

Das Erinnern an geschehenes Unrecht spielt in diesem Zusammenhang ebenso eine Rolle. Seit Jahren ge- stalten wir den Gedenkgottesdienst anlässlich der Reichspogromnacht gemeinsam mit der jüdischen Kultus- gemeinde, der katholischen Kirchengemeinde und dem Förderverein Synagoge in der Stiftskirche und in der alten Synagoge in Münstermaifeld. Die gemeinsame intensive Vorbereitung und die Feier des Gottesdiens- tes einschließlich des gemeinsamen Kaddisch nach dem jüdischen Klagegebet sind ein besonderes Erlebnis für viele.

IV Getragen in der Gemeinde

Unseren Glauben an den gerechten und liebenden Gott und das Erleben der Gemeinschaft in der Gemeinde wollen wir als Widerstandspotential gegen eigenes und fremdes Leiden entdecken:

1) Getragen von Gott

Die bewusste Entscheidung für den Weg mit Gott bekommt in der Gemeinde mehr Gewicht. Dies wird im Bi- belkreis, in den jeweiligen Bibelgesprächen in unseren Gruppen und in selbstbewusst von Gemeindegliedern gestalteten Gottesdiensten deutlich. Es ist auch auffällig, dass als Jugendliche und Erwachsene getaufte Ge- meindemitglieder bei uns eine größere Rolle spielen: In den letzten zwei Jahren wurden vier Erwachsene nach aufwendigem Taufunterricht getauft und sind weiterhin in der Gemeinde aktiv. Von den 26 Jugendli- chen des MitarbeiterInnenkreises sind mehr als ein Viertel (7) als Jugendliche getauft worden.

Im Berichtszeitraum waren zwei aktive Gemeindemitglieder lebensgefährlich erkrankt. Das Gebet für sie im Gottesdienst und in den Häusern haben wir als befreiend und hilfreich erlebt.

2) Getragen in der Gemeinschaft

a) Hohe Gruppenidentifikation: In unseren Gruppen wollen wir Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Acht- samkeit für andere miteinander einüben. Viele Gruppen (Spiritualchor, Blockflötenensemble, MitarbeiterInnenkreis für den KonfirmandInnenunterricht, Bibelkreis, Frauenhilfe, MitarbeiterInnenkreis für KIBIZ, Presbyterium ) üben eine hohe Gruppenidentifikation aus. Anteilnahme und Helfen, gleichberechtigter Umgang, gemeinsames Feiern und Trauern und gemeinsa- me Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes sind hier verwirklicht. Die Mitarbeitenden empfinden ihre Teil- nahme auch als persönliche Stärkung. Eine junge Frau sagte: „Der MitarbeiterInnenkreis und meine Mitar- beit im KonfirmandInnenuntericht gibt mir mehr Sicherheit und hilft mir, mich vor vielen Menschen auszudrü- cken.“

Das Presbyterium versteht sich neben seiner Funktion als Gemeindeleitung auch als Gruppe, in der sich die Mitglieder gegenseitig Halt geben. Das Presbyteriumswochenende mit PartnerInnen im November 2007 auf den Spuren der Elisabeth von Thüringen hat dem Zusammenhalt einen neuen Schub gegeben. Zur Presby- teriumswahl ist es gelungen, 11 engagierte KandidatInnen für die 8 Plätze zu gewinnen. Nach der Wahl sind zwei von acht PresbyterInnen und eine Mitarbeiterpresbyterin neu im Presbyterium. Die Nichtgewählten brin- gen sich in Ausschüssen und im sonstigen Gemeindeleben gut ein. Im November 2008 ist ein Presbyte- riumswochenende auf den Spuren von Thomas Müntzer geplant.

Im Sommer 2008 konnte die Kirchengemeinde erstmalig eine (rein ehrenamtlich organisierte) Kinderfreizeit anbieten: 23 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren erlebten 10 Piratentage im Hunsrück.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die in den verschiedenen Bereichen Aktiven auch diejenigen sind, die im Gottesdienst und anderswo regelmäßig teilnehmen. Passive Konsumtion findet fast nur in den „Events“ statt.

b) Ausbau der Treffpunkte: Der Blick für die anderen Bereiche und für das Ganze der Kirchengemeinde konnte verbessert werden: Die zweite MitarbeiterInnensegnung im Januar 2008 ( Segnung der neu einge- stiegenen und der ausscheidenden MitarbeiterInnen und anschließendes gemeinsames Essen) war genauso erfolgreich wie die neu eingeführte MitarbeiterInnenparty nach dem Reformationsgottesdienst 2007. Dies, die gemeinsame Mitarbeit beim Afrikatag im Juni 2008 und die gemeinsame Verabschiedung von Michael Stoer als Pfarrer unserer Gemeinde im August 2008 hat das Kennenlernen und voneinander Wissen ver- stärkt. Die Christmette mit anschließender kleiner „Gemeindeweihnachtsfeier“ im Pfarrhaus, das Tischabend- mahl am 2. Weihnachtstag (2007 das zweite Mal gefeiert) und der Osterfrühgottesdienst auf dem Sammetz- kopf mit anschließendem Osterfrühstück haben eine ähnliche verbindende Funktion.

V Subjekte der Veränderung

Wir wollen uns als Versammlung von Menschen verstehen lernen, die nicht nur Leidende, sondern auch Subjekte der Veränderung hin zu einer anderen, besseren Welt sind. Wir sind uns dabei bewusst, dass die letztliche Erlösung dieser Welt nicht unser Werk sein wird. Und doch ist es wichtig, unsere Aufgaben als Got- tes Mitarbeiter am Gottesreich zu erkennen:

1) Gemeindegruppen als Orte der Mitgestaltung und Veränderung

Wir verstehen unsere Gruppen nicht als Angebote der Kirchengemeinde zur Freizeitgestaltung und Sinnfin- dung (siehe unter II,2), sondern als Orte der Mitgestaltung und Veränderung der Gemeinde und der Welt. Z.B.:

In den MitarbeiterInnenkreisen (für KU und KIBIZ) werden viele (jugendliche) Gemeindemitglieder als Pädagogen eingeübt und treten dann als solche auf.

Die musikalischen Gruppen (Spiritual-Chor, Blockflötenensemble und beiden neuen Gospelchöre für Kinder und Jugendliche) prägen unser Gesicht nach innen und außen.

Der Redaktionsausschuss verantwortet die wöchentlich erscheinende Gemeindeseite, unseren Ge- meindebrief, in dem amtlichen Mitteilungsblatt, die weit über die Gemeinde hinaus Öffentlichkeit für unsere Themen bewirkt. Für die aufwendige ehrenamtliche Arbeit des Layouters (mehrere Stunden in der Woche) konnte nach dem Ausscheiden des bisherigen Layouters wieder jemand gewonnen wer- den.

Der Ausschuss für Theologie und Gottesdienst soll sich wieder monatlich treffen und wird u.a. das seit 4 Jahren in intensivem Gebrauch befindliche Gemeindeliederbuch neu bearbeiten und herausgeben.

Die Steuerungsgruppe ist neu einberufen und erarbeitet auf der Grundlage des Leitbildes eine Ge- meindekonzeption. Auf die Beschreibung einer solidarischen Sicht auf die Gemeinderealität wird die Formulierung konkreter Visionen für die nächsten Jahre folgen. Diese Arbeit und die jährliche Auswer- tung werden die Arbeit der Gemeinde verändern.

2) Teilhabe an gesellschaftlicher Einflussnahme

Die Gemeinde beteiligt sich (wenn auch oft nur mit wenigen Personen) an Gruppen oder Aktionen, die unse- re Gesellschaft auf eine menschlichere Welt hin erändern wollen:

Unsere Gemeinde ist Mitglied im Ökumenischen Netz. Dessen aktive Arbeit im Vorstand und im Ar- beitskreis Theologie und Politik wird von einigen von uns mitgetan.

Wir sind als Kirchengemeinde Mitglied im Förderverein Synagoge Münstermaifeld und im Förderver- ein Münstertreff und arbeiten jeweils im Vorstand mit.

Wir haben uns an der Demonstration gegen das Atomwaffenlager in Büchel beteiligt. Nach unseren Gottesdiensten liegen immer wieder Unterschriftenlisten zu gesellschaftlichen Themen im Zusammenhang von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung aus.

In unserm Engagement gegen Leiden wird unser Leitbild konkret: Wir wollen ein Haus mit offenen Türen sein.

Erarbeitet und beschlossen im Presbyterium am 9. September 2008


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Die heutige Losung

HERR, du siehst es ja, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen.

Psalm 10,14

Als Jesus die verkrümmte Frau sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.

Lukas 13,12-13